In Deutschland sind Immobilien der wichtigste Vermögenswert, doch die Verteilung ist ungleich: 58 Prozent der Haushalte leben zur Miete. Studien des DIW Berlin zeigen, dass das durchschnittliche Nettovermögen in der unteren Hälfte der Vermögensverteilung bei weniger als 3.700 Euro liegt. Abbezahltes Wohneigentum kommt in dieser Bevölkerungshälfte nicht vor. Im Gegensatz dazu besitzen Millionäre ein durchschnittliches Nettovermögen von drei Millionen Euro, wovon sonstige Immobilien mittlerweile einen Großteil ausmachen (22 Prozent).
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ToggleEin neuer Feudalismus: Wie Vermögen zu Macht führt
Vermögende legen ihr Geld so an, dass es Erträge generiert. Da dies mit reinen Finanzanlagen immer schwieriger wird, gewinnen Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung an Bedeutung. Dafür werden Immobilienkredite aufgenommen, die als Nebeneffekt sogar Steuern sparen helfen. Es ist daher kein Wunder, dass Häuser- und Baulandpreise sowie Mieten seit Jahren steigen, während die Zinsen fallen. Nach vorläufigen Berechnungen sind die Baulandpreise von 2015 bis 2019 um 43 Prozent gestiegen.
Ein neuer Feudalismus macht sich breit: Wir lassen es zu, dass die über Grundbesitz verfügende reiche Oberschicht Macht auf die bodenlose Bevölkerungsmehrheit ausübt.
Die Lösung: Grundsteuer-Reform zur Bodenwertsteuer

Die Politik muss hier dringend gegensteuern. Es kommt jetzt darauf an, die Grundsteuer in Form einer Bodenwertsteuer zu reformieren. Baden-Württemberg macht es vor: Die Bodenwertsteuer besteuert den reinen Bodenwert. Leistungslose Gewinne daraus werden so nicht mehr in die privaten Kassen der Grundeigentümer, sondern in die (oft klammen) kommunalen Kassen umgelenkt.
Der Wert des Bodens wird nicht von den Immobilieneigentümern geschaffen, sondern durch öffentliche Vorleistungen, insbesondere die umgebende Infrastruktur. Eine Bodenwertsteuer belastet die Vermögenderen im Verhältnis zum Gesamtwert der Immobilie deutlich höher als eine Steuer, die auch das Gebäude mit einbezieht.
Ein Anfang für mehr Gerechtigkeit und bezahlbaren Wohnraum
Die Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen fordern die Landesregierung bereits auf, dem Vorbild Baden-Württembergs zu folgen. Die Bodenwertsteuer wäre ein entscheidender Anfang, der ungerechten Bodenverteilung entgegenzuwirken. Gleichzeitig unterstützt sie den Erhalt und Bau bezahlbaren Wohnraums.
Andere Länder sollten diesem Beispiel folgen, um eine gerechtere und nachhaltigere Bodenpolitik zu etablieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Die Bodenwertsteuer ist eine Form der Grundsteuer, die ausschließlich den Wert des Bodens besteuert, nicht aber den Wert der darauf stehenden Gebäude. Sie zielt darauf ab, leistungslose Gewinne aus der Bodenwertsteigerung, die durch öffentliche Vorleistungen wie Infrastruktur entstehen, an die Gemeinschaft zurückzugeben.
Die Bodenwertsteuer belastet vermögendere Grundeigentümer im Verhältnis zum Gesamtwert ihrer Immobilie stärker als eine Steuer, die auch das Gebäude einbezieht. Sie wirkt der ungleichen Bodenverteilung entgegen und unterstützt den Erhalt sowie den Bau von bezahlbarem Wohnraum.
Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland in Deutschland ein Modell zur Reform der Grundsteuer in Form einer Bodenwertsteuer eingeführt. Der Text legt nahe, dass weitere Länder diesem Beispiel folgen sollten.
Laut dem Artikel profitieren vor allem Millionäre und die „reiche Oberschicht“, die ihr Geld in Immobilien anlegen, um Erträge zu generieren. Steigende Bauland- und Immobilienpreise kommen ihnen zugute, während 58 % der Haushalte zur Miete wohnen und über wenig Nettovermögen verfügen.
Quellenangaben
Originalartikel: „Wider den Feudalismus“ von Beate Bockting
Stand: 03.09.2020
Studien: Der Text bezieht sich auf Studien des DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung).



