Immer mehr Kommunen führen Mietpreisbremsen ein. Doch ein Top – Ökonom warnt: Das System könne Städte zerstören, wie Erfahrungen aus den USA zeigen.
Frankfurt – Immer mehr Kommunen denken darüber nach, Mietpreisbremsen einzuführen. Die Mietpreise von Neuvermietungen sind vielerorts in den vergangenen zehn Jahren um etwa 50 Prozent gestiegen, in Berlin haben sie sich sogar fast verdoppelt. Ich erinnere mich an ein Lehrbuch, in dem die Mietpreisbremse als Beispiel dafür diskutiert wurde, dass man Preise nicht wirklich regulieren kann – unter Verweis auf die negativen Erfahrungen, die man in den 1970er Jahren in den USA gemacht hat. Das Kapitel trug die Überschrift: Mietpreisobergrenzen – oder wie man eine Stadt effektiv zerstört.
Immobilien müssen regelmäßig instand gehalten werden. Wenn ich als Vermieter nicht die Miete einstreichen kann, die ich benötige, damit sich meine Investition lohnt, dann werde ich auf die Instandhaltung verzichten. Nach einigen Jahren werden die Immobilien verkommen. Die Qualität der Wohnungen passt sich an den Preis an, wodurch der regulierte, niedrige Preis nun wieder der echte Marktpreis ist. Der negative Effekt: Zahlungskräftige Mieter ziehen dann lieber in Gegenden, wo es keine Mietpreisbremse, dafür aber schöne Wohnungen gibt. Zurück bleiben weniger zahlungskräftige Personen.
Nicht der Wohnungsmangel ist schuld an den hohen Mieten
Statt Preise zu regulieren, sollte man die Ursache der horrenden Mietpreise abstellen.
Die Mieten sind so hoch, weil die Immobilien so teuer sind. Und das liegt nicht am Wohnungsmangel. Die Immobilien sind teuer, weil viel Geld im Markt ist, das investiert werden möchte.
Das Problem liegt in unserem Geldsystem, das eine stetig und vor allem exponentiell wachsende Geldmenge hervorbringt, die auf ein unelastisches Bodenangebot trifft.
Jeder kann das nachprüfen. Wenn man etwa bei Wikipedia den Begriff „Money Supply“ aufruft, dann findet man dort Statistiken der Geldmenge von verschiedenen Ländern. Sie wächst in allen Ländern exponentiell. („Sozialer Sprengstoff“ hohe Mieten – Explodierende Preise schaden Deutschlands Wirtschaft)
In unserem weltweit herrschenden Geldsystem ist das nicht zu verhindern. Bankkonten und Wertpapiere wachsen durch den Zins und Zinseszins exponentiell.
Allerdings hat uns der Finanztheoretiker Silvio Gesell schon vor über 100 Jahren ein Geldsystem vorgeschlagen, das ohne den Zins als Nichthortungs- oder Liquiditätsprämie auskommt. Leider sind seine Schriften in den Wirtschaftswissenschaften bis heute wenig diskutiert.

Felix Fuders ist Professor und Top – Ökonom für Volkswirtschaftslehre an der Universidad Austral de Chile und Vorsitzender der Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung (INWO) Frankfurt.
Quellen:



