Wir alle kennen das Spiel Monopoly; die meisten von uns haben es bereits gespielt. Das Ziel ist klar: Straßen, Plätze und Häuser erwerben, um von den Mitspielern Zahlungen – oder sollte man besser sagen: Wegzoll – zu kassieren. Das Spiel endet unweigerlich mit einem einzigen Gewinner und dem Totalverlust (Konkurs) aller anderen Mitspieler. Ganz nach dem Motto: The winner takes it all.
Doch hinter dem bekanntesten Brettspiel der Welt verbirgt sich eine Geschichte, welche die „Fallstricke des Kapitalismus“ aufzeigt, wie es die WirtschaftsWoche (Nr. 49 vom 28.11.2025) treffend formuliert.
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ToggleExkurs: Das Nike-Logo – Ein ähnliches Schicksal
Bevor wir uns den Ursprüngen von Monopoly widmen, lohnt ein Blick auf ein ähnliches Beispiel der Wirtschaftsgeschichte: Carolyn Davidson. Die Studentin entwarf 1971 das weltberühmte Logo des Sportartikelherstellers Nike. Während das Markenzeichen heute einen astronomischen Wert besitzt, erhielt Davidson für ihre Arbeit damals lediglich 35 Dollar. Erst 1983 legte Nike mit 500 Aktien als Anerkennung nach.
Interessanterweise wird das Logo oft als „Swoosh“ (Rauschen) bezeichnet, das Bewegung und Geschwindigkeit symbolisiert – für andere hingegen stellt es schlicht einen stilisierten Hockeyschläger dar. Diese Diskrepanz zwischen Schöpfungswert und Vergütung führt uns direkt zurück zum Kern von Monopoly.
Die wahre Erfinderin: Elizabeth Magie und „The Landlord“

Der breiten Öffentlichkeit gilt oft Charles Darrow als Erfinder. Die wahre Entwicklerin war jedoch Elizabeth Magie, eine Quäkerin, die bereits 1903 einen Patentantrag für ihr Spiel einreichte (Patentierung 1904). Magie war eine glühende Anhängerin des Bodenreformers Henry George, der eine sogenannte „Single Tax“ (Einheitssteuer) auf den Bodenwert propagierte.
Ihr Spiel trug ursprünglich den Namen „The Landlord“. Anders als heute beabsichtigt, wollte Magie das Spiel didaktisch einsetzen, um die negativen Folgen der Bodenspekulation aufzuzeigen. Kapitalismusbefürwortung war ihr völlig fremd. Unter ihrer Ägide gab es zwei weitere Spielvarianten:
„The Monarch of the World“
„The Single Tax“ (Hier sollte die positive Wirkung einer Bodensteuer spielerisch erfahrbar gemacht werden).
Charles Darrow und der kommerzielle Durchbruch
Wie kam es zum Monopoly, wie wir es heute kennen? 1934 entwickelte der zuvor arbeitslose Elektriker Charles Darrow das Spiel unter dem Namen „Atlantic City Game“ weiter. 1935 verkaufte er die Idee an Robert Barton, den Leiter des Spieleherstellers Parker Brothers.
Für Darrow wurde das Geschäft zum lebensverändernden Erfolg: Mit 46 Jahren hatte er ausgesorgt und konnte die Arbeit an den Nagel hängen. Der Haken: Darrow konnte die Rechte eigentlich nicht patentfrei verkaufen, da Magies Patente bereits existierten. Der Spielehersteller Hasbro erwarb Magies Patente später für eine einmalige Zahlung von lediglich 500 Dollar. Während Darrow zum Millionär wurde, blieb die eigentliche Erfinderin und ihre reformpädagogische Absicht weitgehend vergessen.
Monopoly als Systemkritik
Dort, wo man den Kapitalismus für überwunden hielt – wie beispielsweise in der DDR –, war kein Platz für ein Spiel, das kapitalistische Mechanismen so offen zelebrierte; Monopoly war dort verboten.
Dies wirft eine spannende theoretische Frage auf: Was wäre gewesen, wenn man auf die Herausforderungen des Kapitalismus nicht durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel reagiert hätte? Wenn man stattdessen den Ursprung des Kapitalismus in der Boden- und Geldfrage verortet und dort nach Lösungen gesucht hätte? Monopoly bleibt somit mehr als nur ein Zeitvertreib – es ist ein historisches Zeugnis für die Debatte um Eigentum, Gerechtigkeit und wirtschaftliche Regeln.
Quellen:
WirtschaftsWoche No. 49 vom 28.11.2025, S. 88: „Der Erfinder, der keiner war.“
Michael Prüller: „Profit statt Reform – die Entstehung von Monopoly“, in: Humane Wirtschaft 03/2008, S. 46-49.
Michael Prüller: „Monopoly, Mammon, Moral“, in: Die Presse (Wien), 7.9.2007.
Tobias Stociek: „90 Jahre Monopoly, Gier ist geil?“, SWR Gesellschaft, Stand 18.3.2025.
Internetrecherche zum Logo von Nike und zu Carolyn Davidson.
Autor der Vorlage: Jörg Gude



