Wohlstandszuwachs landet bei Grundbesitzern, nicht bei Arbeitenden. Eine optimal angewendete Grundsteuer kann das ändern und Kommunen stärken.
Ökonomen wie David Ricardo und später Henry George beschrieben schon vor über 200 Jahren einen einfachen, aber folgenreichen Mechanismus: Wohlstandszuwachs landet in erster Linie bei den Grundbesitzern.
Man kann sich die Wirtschaft wie ein gemeinsames Abendessen vorstellen. Alle bringen etwas mit – Arbeit, Ideen, Unternehmergeist. Doch bevor verteilt wird, nimmt sich einer immer den ersten und größten Anteil: der Eigentümer des Tisches. Je begehrter der Platz, desto größer sein Stück. Genau so funktioniert Bodenrente.
15 Tage im Monat arbeiten Sie umsonst – für den Grundbesitzer
Boden wird nicht geschaffen, er ist einfach da. Trotzdem steigen seine Erträge stetig – nicht durch die Leistung seines Besitzers, sondern weil andere arbeiten, investieren, bauen und weil Städte wachsen.
Jede neue Firma, jede sanierte Straße, jede gute Schule erhöht den Wert des Standorts. Dieser gewaltige Wertzuwachs verschwindet derzeit in privaten Taschen, ohne Nutzen für die Allgemeinheit.
Die Folgen: hohe Mietlasten, teure Gewerbeflächen, wachsender Druck auf Löhne und Preise. Beschäftigte und Betriebe teilen sich nur einen Rest ihrer wirtschaftlichen Leistung, nachdem die Bodenrente abgeschöpft ist. Und von diesem Anteil finanzieren sie dann noch das Gemeinwesen und den Sozialstaat.
Friseur, Optikerin oder Wirt – sie alle arbeiten bis zu 15 Tage im Monat für den Grundbesitzer. Doch dies ist kein Naturgesetz.

Wirtschaft - Geheimnis gelüftet: Darum landen Ihre Steuergelder bei Grundbesitzern
Eine Grundsteuer, optimal angewendet wie in Baden-Württemberg, entlastet Arbeit und Investitionen. Besteuert wird der Wert des Bodens – genau dort, wo sich gesellschaftlicher Überschuss anhäuft. Auch durch Kauf und Verpachtung können Kommunen Handlungsspielraum gewinnen.
Private Bodenrenten schrittweise abschöpfen und einen Teil der Einnahmen pro Kopf an die Bevölkerung und an Betriebe pro Mitarbeiter zurückgeben; so unterstützt die Gemeinde bei Wohn- und Betriebskosten und stärkt die lokale Wirtschaft. Die Entkapitalisierung des Bodens macht Städte und Dörfer lebenswerter.
Ohne die Abschöpfung der Bodenrenten bleiben Kommunen und Staat Reparaturbetriebe. Diese Wahrheit gehört in die Grundsatzprogramme demokratischer Parteien, für die Leistung, Arbeit, soziale Verantwortung und Gerechtigkeit keine Worthülsen sind.
Der Autor Klaus Willemsen ist Referent der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung (INWO) und Autor des Buches „Das Märchen vom guten Zins“.



