Deutschland hat ein Wohlstandsproblem der anderen Art

Die Schere zwischen Vermögenden und arbeitender Bevölkerung öffnet sich – und mit ihr wächst die politische Instabilität demokratischer Gesellschaften.

Demokratie braucht Stabilität und Wohlstand. Doch Stabilität entsteht nicht aus immer neuen Wachstumsrekorden, sondern aus sozialer Sicherheit, Verteilungsgerechtigkeit und dem Vertrauen der Menschen in die wirtschaftliche Ordnung ihres Landes. Demokratie braucht dafür eine Währung, die dauerhaft ausreichend Investitionen gewährleistet – Investitionen in Unternehmen, Infrastruktur, Innovation und vor allem in Arbeitsplätze, um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern.

Welcher Wohlstand ist eigentlich gemeint, der so bedroht sei?
Sind es die Vermögenswerte der Wohlhabenden, die sich durch Finanzmärkte, Immobilien- und Bodenpreise weit schneller vermehren als die reale Wirtschaftsleistung?
Sind die Kapitaleinkommen gemeint, die seit Jahrzehnten stärker wachsen als die Einkommen aus Arbeit?

Wirtschaftssystem wie in Deutschland – „muss irgendwann kollabieren“

Die Schere zwischen Vermögenden und arbeitender Bevölkerung öffnet sich – und mit ihr wächst die politische Instabilität demokratischer Gesellschaften.

Der Aachener Publizist Helmut Creutz beschrieb dieses Problem früh. Er warnte: „Ein solches Wirtschaftssystem, in dem die Einkommen aus Kapital schneller wachsen als die aus Arbeit, muss aus einfachen mathematischen Gründen irgendwann kollabieren.“

Creutz beschrieb damit das zentrale Dilemma moderner Ökonomien: Wenn Geldvermögen und Kapitaleinkommen exponentiell wachsen, entsteht ein permanenter Wachstumszwang. Damit Arbeitseinkommen nicht zurückfallen, muss die Wirtschaft ständig expandieren – mehr Produktion, mehr Konsum, mehr Export, mehr Abhängigkeit von Despoten.

Völker stellt die richtigen Fragen: Wie stabilisiert man eine moderne Gesellschaft ohne permanenten Wachstumszwang? Und wie verhindern wir, dass ein Investitionsstreik unseren Wohlstand gefährden kann?

Eine stabile Ökonomie braucht eine tatsächlich inflationsfreie Währung und den Mut, ein ökonomisches Tabu offen zu diskutieren: Ein Zinsniveau nahe null Prozent ist möglich, wenn das Halten liquider Geldmittel mit moderaten Durchhaltekosten verbunden wird. Dadurch wird Geldvermögen immer ausreichend in produktive Investitionen, Innovationen und Arbeitsplätze gelenkt – und das politisch flankierte und subventionierte Wachstum kann reduziert werden.

 

Der Autor Klaus Willemsen ist Referent der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung (INWO) und Autor des Buches „Das Märchen vom guten Zins“.

Quellen:

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